Bluthochdruck - was nun?

Ihr Arzt hat bei Ihnen Bluthochdruck festgestellt (in der medizinischen Fachsprache «arterielle Hypertonie» genannt). Ein kleiner Trost: Sie sind mit dieser Diagnose nicht allein. Bluthochdruck ist in unserem Land die häufigste in der Arztpraxis gestellte Diagnose. Sie haben zwar einen zu hohen Blutdruck, fühlen sich aber nicht krank und haben wahrscheinlich auch keine Beschwerden. Dennoch sollten Sie die Diagnose ernst nehmen. Im Vergleich zu Personen mit normalem Blutdruck erleiden Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck je nach Schweregrad doppelt bis zehnmal so häufig einen Hirnschlag oder Herzinfarkt oder erkranken an Herzinsuffizienz. Diese Krankheiten können das Leben für die Betroffenen und ihre Angehörigen radikal verändern: mehr oder weniger schwere Behinderungen und Einschränkungen oder der (vorzeitige) Tod sind tragische Folgen. Wird Bluthochdruck hingegen konsequent behandelt und gesenkt, treten diese Komplikationen deutlich seltener auf und viele Folgeerkrankungen und Todesfälle lassen sich vermeiden. Sie können also nur gewinnen, wenn Sie die ärztlichen Empfehlungen befolgen. Zur Behandlung des essenziellen Bluthochdrucks gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Änderungen des Lebensstils und blutdrucksenkende Medikamente. Bei den meisten Patienten ist es notwendig, beide Methoden einzusetzen.

Wie wird die Dagnose gestellt?

Um Bluthochdruck festzustellen, muss der Blutdruck gemessen werden. Liegen die Blutdruckwerte bei einer einzigen Messung über 140/90 mmHg, reicht das für eine Diagnose noch nicht aus. Erst wenn bei mindestens drei Messungen innerhalb weniger Wochen erhöhte Blutdruckwerte festgestellt werden, kann man sicher sein, dass Bluthochdruck vorliegt. Bei vielen Patienten ist es aber nicht einfach, die Diagnose zu stellen, weil ihre Blutdruckwerte stark schwanken oder nur in bestimmten Lebenssituationen zu hoch sind. In diesen Fällen muss der Arzt mehr Zeit in die Abklärungen investieren. Ein häufiges Phänomen ist die Praxis- oder Weisskittelhypertonie. Dabei handelt es sich um einen kurzfristigen Bluthochdruck, der nur in der Arztpraxis auftritt. Er ist darauf zurückzuführen, dass viele Patienten etwas nervös sind, wenn sie zum Arzt müssen. Um eine Praxishypertonie von einem «echten» Bluthochdruck zu unterscheiden, können die Patienten ihren Blutdruck selbst zuhause messen oder es wird eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchgeführt.

Geräuschemethode

Diese Methode wird beim Arzt oder im Spital am häufigsten angewendet. Eine Manschette wird um den Oberarm gelegt und aufgepumpt. Anschliessend lässt der Untersucher langsam die Luft entweichen. Gleichzeitig hört er mit einem Stethoskop an der Ellenbeuge die entstehenden Geräusche in der Oberarmarterie ab. Sobald der Druck in der Manschette so tief ist, dass wieder Blut durch die zusammengepresste Arterie des Oberarms fliessen kann, wird im Stethoskop ein klopfendes Geräusch hörbar – dieser Druck entspricht dem systolischen Blutdruck. Sinkt der Druck in der Manschette weiter, verschwinden die klopfenden Geräusche allmählich. Der Druck, bei dem sie nicht mehr hörbar sind, entspricht dem diastolischen Blutdruck. Die Blutdruckwerte werden an einer Quecksilbersäule abgelesen. Deshalb wird der Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben.

Änderungen des Lebensstils

Falls bei Ihnen eine leichte oder mittlere Hypertonie (oberer Wert zwischen 140-179 mmHg, unterer Wert zwischen 90 -109 mmHg) festgestellt wurde, so wird Ihnen Ihr Arzt zunächst zu einem „blutdruckfreundlichen“ Lebensstil raten. Es ist möglich, dass Sie allein durch Ausschalten oder Vermindern Ihrer Risikofaktoren den Blutdruck normalisieren können. Dazu ist allerdings Ihre tatkräftige Mitarbeit notwendig.

Hormone

Hormonhaltige Präparate können bei manchen Frauen den Blutdruck erhöhen:

  • Wenn Sie zur Schwangerschaftsverhütung hormonhaltige Präparate anwenden («Pille») und andere Risikofaktoren haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob eine andere Verhütungsmethode für Sie eventuell geeigneter wäre.
  • Auch eine Hormonbehandlung während der Wechseljahre kann den Blutdruck beeinflussen – besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob diese Behandlung für Sie das Richtige ist.

Medikamente

Das Ziel der Bluthochdruckbehandlung besteht darin, den Blutdruck auf einen Wert unter 140/90 mmHg zu senken. Wenn Sie an Diabetes oder Nierenerkrankungen leiden, sollte der Blutdruck auf einen Wert unter 130/80 mmHg gesenkt werden. Lässt sich der Zielblutdruck durch Änderungen des Lebensstils innert einiger Monate nicht erreichen, müssen Sie ein blutdrucksenkendes Medikament einnehmen. Wenn Sie unter einer schweren Hypertonie, Diabetes oder einer Nierenerkrankung leiden, so kommen Medikamente bereits zu Beginn der Behandlung zum Einsatz.

Regelmässige Einnahme

Durch die Medikamente lässt sich der Blutdruck zwar senken, die Ursache des Bluthochdrucks wird jedoch nicht beseitigt. Wenn Sie die Medikamente nicht mehr einnehmen, steigt Ihr Blutdruck mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder an. Folgeschäden von Bluthochdruck lassen sich aber nur vermeiden, wenn der Blutdruck dauerhaft gesenkt wird. Deshalb müssen Sie die Medikamente wahrscheinlich auf Dauer einnehmen. Deshalb sollten Sie die Medikamente regelmässig und genau nach Vorschrift einnehmen – auch wenn Sie sich entspannt fühlen oder in den Ferien sind. Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Medikamente auf Reisen immer zur Hand haben. Nehmen Sie auf Flügen die Tabletten im Handgepäck mit, für den Fall, dass Ihr Gepäck verloren geht.

Verschiedene Wirkstoffe

Es gibt eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die den Blutdruck senken. Der Arzt wird Ihnen zuerst einen Wirkstoff aus einer dieser Gruppen verordnen. Wenn sich der Blutdruck damit zu wenig senken lässt oder störende Nebenwirkungen auftreten, wird auf ein Präparat aus einer anderen Wirkstoffgruppe gewechselt.

Kombination von Wirkstoffen

Manchen Patienten mit Bluthochdruck bringt ein einzelner Wirkstoff oft keine genügende Blutdrucksenkung. Erst durch die Kombination von zwei oder sogar drei Wirkstoffen, die im Stoffwechsel an unterschiedlichen Stellen auf die Blutdruckregulation einwirken, lässt sich bei diesen Personen der Blutdruck normalisieren. Bei der Wahl der Medikamente achtet der Arzt darauf, dass sich mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente in der Kombination gegenseitig abschwächen oder sogar aufheben. Sehr gebräuchlich sind Präparate, in denen zwei Wirkstoffe in einer Tablette enthalten sind (Zweierkombination).

Alternativmedizin

Viele Menschen interessieren sich für die Möglichkeiten der Komplementärmedizin. Bis heute kennt man jedoch keine alternativmedizinische Methode, mit der sich der Blutdruck auf Dauer zuverlässig senken lässt. Gewisse Methoden – besonders aus dem Bereich der Entspannung – können bei der Blutdrucksenkung unterstützend wirken, sie ersetzen aber verschriebene blutdrucksenkende Medikamente nicht. Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Arzt, wenn Sie eine komplementärmedizinische Therapie anwenden möchten.

Checkliste für Patienten

  • Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil. Er trägt dazu bei, Ihren Blutdruck möglichst tief zu halten.
  • Nehmen Sie die vom Arzt verordneten Medikamente nach Vorschrift ein. Ändern Sie die Dosierung oder Einnahmehäufigkeit nicht auf eigene Faust.
  • Falls Sie das Gefühl haben, dass die Medikamente unangenehme Nebenwirkungen auslösen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
  • Informieren Sie Ihren Arzt auch, wenn Sie Schwierigkeiten haben mit der Medikamenteneinnahme, z. B. Schluckprobleme oder häufiges Vergessen der Tabletteneinnahme.
  • Gehen Sie regelmässig zu Kontrolluntersuchungen zum Arzt.
  • Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck nach Möglichkeit in regelmässigen Abständen selbst und halten Sie die gemessenen Werte schriftlich fest.

Wie oft zum Arzt?

Für Menschen mit Bluthochdruck ist es sehr wichtig, dass die Blutdruckwerte regelmässig gemessen werden:

  • Solange Sie noch keine normalen Blutdruckwerte haben, sind Kontrollmessungen beim Arzt alle ein bis zwei Monate zweckmässig.
  • Ist der Blutdruck normalisiert, genügt in der Regel eine ärztliche Kon¬trolle alle sechs Monate.
  • Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Kontrollen hängen unter anderem davon ab, ob bei Ihnen noch weitere Erkrankungen oder Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten vorliegen. Ihr Arzt wird Sie informieren, in welchen Abständen Kontrollen für Sie sinnvoll sind.

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