Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Art von Herzrhythmusstörung. Beim Vorhofflimmern schlagen die Herzvorhöfe nicht mehr regelmässig, sondern zu schnell, unregelmässig und unkoordiniert. Dies führt dazu, dass das Herz nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf pumpen kann.

Formen

Vorhofflimmern kann ernsthafte Beschwerden auslösen und muss daher abgeklärt und behandelt werden. Vorhofflimmern wird durch eine Art "elektrisches Gewitter" im Reizleitungssystem des Herzens verursacht. Die Pumpaktivitäten der Vorhöfe und der Herzkammern sind nicht mehr aufeinander abgestimmt – dadurch nimmt die Herzleistung ab. Kurzfristig können die Herzkammern diesen Leistungsrückgang kompensieren, doch wenn das Vorhofflimmern länger anhält, werden die Herzkammern überlastet und es kann sich eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickeln.

Formen von Vorhofflimmern:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern tritt anfallsmässig auf, dauert nicht länger als sieben Tage und hört spontan von selbst auf
  • Persistierendes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage und hört nicht von selbst auf
  • Permanentes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern besteht seit mehr als sechs Monaten. 

Mögliche Folgen

Grundsätzlich stellt das Auftreten von Vorhofflimmern bei einem Menschen in aller Regel keine akute Gefahr dar. Vorhofflimmern ist aber eine fortschreitende und potenziell gefährliche Erkrankung: Menschen mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Sterberisiko, denn wegen des Vorhofflimmerns erleiden sie häufiger einen Hirnschlag oder eine Herzinsuffizienz.

Häufigkeit

Vier Prozent aller Menschen über 60 Jahre sind davon betroffen, bei den über 85-jährigen sind es sogar zehn Prozent. In der Schweiz leiden rund 100'000 Personen an Vorhofflimmern. Weil die Menschen durchschnittlich immer älter werden, nimmt auch die Häufigkeit des Vorhofflimmerns zu.

Ursachen

Vorhofflimmern kann durch eine vorbestehende Herzkrankheit ausgelöst werden, beispielsweise eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder einen Herzinfarkt. Andere Ursachen für Vorhofflimmern sind unter anderem Alkoholkrankheit oder eine Überfunktion der Schilddrüse. Menschen, bei denen Risikofaktoren für Vorhofflimmern bestehen, sollten deshalb ihren Herzrhythmus regelmässig vom Arzt kontrollieren lassen.

Symptome

In vielen Fällen spüren Patienten mit Vorhofflimmern ein rasches Herzklopfen (Palpitationen), das über Stunden oder sogar länger andauern kann. Andere Symptome sind beispielsweise Enge- oder Druckgefühle in der Brust, Müdigkeit oder Atemnot. Bei 15 bis 35 Prozent der Patienten löst das Vorhofflimmern aber keinerlei Beschwerden aus. Manchmal ändern sich die Beschwerden mit der Zeit: Die anfänglichen Symptome verschwinden, wenn sich ein permanentes Vorhofflimmern entwickelt, oder die Symptome treten nur noch in bestimmten Situationen auf. Diese unterschiedlichen Manifestationsformen des Vorhofflimmerns machen die Diagnose und Therapie manchmal schwierig.

Komplikationen

  • Hirnschlag
    Die schwerste Komplikation des Vorhofflimmerns besteht darin, dass es das Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden, um den Faktor fünf erhöht. Die unregelmässigen Pumpbewegungen der Vorhöfe führen dazu, dass im Herz vermehrt Blutgerinnsel gebildet werden, die in den Kreislauf geschwemmt werden können. Wenn ein solches Gerinnsel eine Hirnarterie verstopft, ist ein ischämischer Hirnschlag (Hirninfarkt) die Folge. Hirnschläge bei Patienten mit Vorhofflimmern sind oft besonders schwer, und die Gefahr, dass die Patienten sterben, ist höher als bei Hirnschlägen infolge einer anderen Ursache. In der Schweiz sind Hirnschläge die dritthäufigste Todesursache und der dritthäufigste Grund für eine Invalidität bei Erwachsenen.
  • Herzinsuffizienz
    Vorhofflimmern beeinträchtigt die Herzfunktion und kann dadurch eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) auslösen. Um den verminderten Blutfluss beim Vorhofflimmern auszugleichen, erweitern sich zunächst die Vorhöfe, dann die Herzkammern. Es entwickelt sich eine Fibrose des Herzgewebes, und die Herzmuskelzellen verändern sich. Mit der Zeit kommt es zu einer Herzinsuffizienz. Man geht davon aus, dass ein Drittel aller Patienten, die unter Herzinsuffizienz leiden, vorher Episoden von Vorhofflimmern erlebt haben.

Untersuchungen

Um die Diagnose zu stellen, ist eine genaue Befragung des Patienten notwendig. Aus diesem Grund stellt der Arzt detaillierte Fragen zu Beschwerden und zum allgemeinen Befinden. Weiterführende Untersuchungsmethoden sind unter anderem:

Die Gefahren von Vorhofflimmern und die Behandlungsmöglichkeiten.

Behandlung

  • Rhythmuskontrolle
    Die Regulierung des Herzrhythmus (Kardioversion) wird entweder durch Medikamente oder durch eine Defibrillation erreicht. Die verwendeten Medikamente bezeichnet man als Antiarrhythmika: Sie bewirken, dass sich der Herzrhythmus normalisiert und stabilisiert, so dass das Vorhofflimmern nicht erneut auftritt. Bei der Defibrillation wird unter kontrollierten Bedingungen ein Stromstoss an das Herz abgegeben; dadurch wird das Vorhofflimmern unterbrochen und der normale Herzrhythmus wiederhergestellt. Eine dritte Möglichkeit, die jedoch nur bei wenigen Patienten angewendet werden kann, ist die Katheterablation. Bei diesem operativen Eingriff wird über eine dünne Sonde, die durch die Pulmonalvene eingeführt wird, dasjenige Gewebe zerstört, welches das Vorhofflimmern auslöst.
  • Frequenzkontrolle 
    Zur Kontrolle der Herzfrequenz stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Durch die Medikamente lässt sich das Vorhofflimmern zwar oft kontrollieren, aber es verschwindet nicht. Die zweite Möglichkeit zur Frequenzkontrolle besteht in einem Eingriff: Der Kardiologe setzt einen Herzschrittmacher in die Brust ein.
  • Blutverdünnung (Gerinnungshemmung oder Antikoagulation)
    Die Antikoagulation (Blutverdünnung) beugt der Bildung von Blutgerinnseln vor. Blutgerinnsel, die bei Personen mit Vorhofflimmern wegen des unregelmässigen Blutflusses gehäuft auftreten, erhöhen das Hirnschlagrisiko. Durch die Blutverdünnung wird dieses gesenkt, allerdings steigt auch die Gefahr für Blutungen leicht an. Patienten, die Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen, müssen die Gerinnungsfähigkeit des Bluts regelmässig vom Arzt kontrollieren lassen. Es ist auch wichtig, dass die Patienten Grundkenntnisse zur Antikoagulation haben, damit die Behandlung erfolgreich ist.

Jede der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, von der Antikoagulation über die Defibrillation bis zur Katheterablation, hat bei der Therapie des Vorhofflimmerns ihren Platz. Mit der geeigneten Behandlung soll verhindert werden, dass Personen mit Vorhofflimmern ins Spital müssen oder sogar wegen Vorhofflimmerns sterben. Dabei helfen auch die Medikamente der neusten Generation.

Vorbeugen

Der wichtigste Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen ist das Alter, das sich natürlich nicht ändern lässt. Ein gesunder Lebensstil kann aber dazu beitragen, das Risko für eine Herzrhythmusstörung zu senken. Dazu gehört, aufs Rauchen zu verzichten und Alkohol nur mit Mass zu geniessen, denn Alkohol und Rauchen lassen das Herz rascher als normal schlagen. Wesentlich für die Vorbeugung ist auch regelmässige körperliche Aktivität. Sie trägt dazu bei, Übergewicht und Bluthochdruck zu verhindern.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für eine Herzrhythmusstörung:

  • Rauchen
  • Übermässiger Konsum von Alkohol
  • Übergewicht
  • Unausgewogene Ernährung
  • Bereits erlittener Herzinfarkt
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Bluthochdruck
  • Andere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems

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Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Im Unterschied zu anderen Erkrankungen, bei denen das Herz aus dem Takt gerät, ist aber nicht so sehr die Rhythmusstörung selber gefährlich, sondern die möglichen Folgen wie Hirnschlag oder Herzinsuffizienz. Die Broschüre beschreibt die verschiedenen Formen von Vorhofflimmern, ihre Symptome und Behandlungsarten.

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