Forschungspreis

Seit 1981 verleiht die Schweizerische Herzstiftung jährlich einen Forschungspreis für eine oder mehrere hervorragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Prävention, Diagnose und Behandlung der Herz-Kreislauf-Krankheiten. Der Preis ist mit CHF 20'000 dotiert.

Forschungspreis 2019: Neuer Herzinfarkt-Test ist schnell und sehr sicher

Bei Verdacht auf Herzinfarkt müssen Ärzte rasch handeln. Vorausgesetzt es handelt sich tatsächlich um einen Infarkt. Ein neuer, empfindlicher Bluttest liefert schon nach einer Stunde für viele Patienten Gewissheit, wie Dr. Raphael Twerenbold am Universitätsspital Basel nachgewiesen hat. Für seine Forschungsarbeit erhält er den Forschungspreis 2019 der Schweizerischen Herzstiftung.

Dr. Raphael Twerenbold
Dr. med. Raphael Twerenbold, Forschungspreisträger 2019

Auf der Notfallaufnahme klagt eine Patientin über Übelkeit und einen heftigen Druck in der Brust. Die Notfallärzte vermuten einen Herzinfarkt. Bei den meisten Patientinnen und Patienten reichen aber die alleinige Schmerzbeschreibung und ein EKG nicht aus, um einen Herzinfarkt zu erkennen. Es braucht einen Bluttest für einen Marker des Herzmuskels wie Troponin. Mit den bisherigen Troponin-Tests musste man jedoch bis zu sechs Stunden warten, um zuverlässig einen Herzinfarkt ausschliessen zu können. Dies bedeutete für Patienten, Ärzte und Pflegende auf den Notfallstationen eine lange Zeit der Ungewissheit.

Neue Tests, schnelle Resultate
Bei einem Herzinfarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab. Dadurch gelangen Herzproteine ins Blut, unter anderem Troponin, ein Bestandteil des Herzmuskels. Neue, hochempfindliche Troponin-Tests weisen nun bereits sehr geringe, bisher nicht messbare Troponin-Erhöhungen zuverlässig nach. Dies verbessert die Frühdiagnose des Herzinfarktes wesentlich. Die Forschungsgruppe um die Kardiologen Dr. Raphael Twerenbold und Prof. Christian Müller des Universitätsspitals Basel hat darauf basierend einen Algorithmus entwickelt. Dieser ermittelt bei drei von vier Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt bereits nach einer Stunde, ob ein Herzinfarkt vorliegt oder nicht.

Dass das schnelle Vorgehen auch bei Betroffenen sicher ist, deren Symptome erst kurz vor Eintritt auf die Notfallstation aufgetreten sind, wurde allerdings angezweifelt. In einer breit angelegten Studie konnte Raphael Twerenbold nun nachweisen, dass der Schnelltest für alle Patienten sehr zuverlässige und sichere Resultate liefert. Ausgewertet wurden die Daten von 4368 Patientinnen und Patienten. Koordiniert hat diese Studie das kardiovaskuläre Forschungszentrum des Universitätsspitals Basel (CRIB).

Mehr Sicherheit, bessere Behandlung
«Die Schnelltests sind für uns eine grosse Unterstützung. Wir können dank ihnen viel früher als bisher einen Herzinfarkt ausschliessen oder nachweisen», sagt Raphael Twerenbold. Dies hat mehrere Vorteile. Die Patienten bleiben weniger lange im Ungewissen, und ein Grossteil der Patienten ohne Herzinfarkt kann rascher nach Hause entlassen werden. Den Ärzten erlaubt es eine frühere Behandlung des Herzinfarkts, zum Beispiel mit Blutverdünnern und einer Herzkatheteruntersuchung.

Die Resultate bekräftigen die Empfehlung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), den hochempfindlichen Troponin-Test zusammen mit dem 1-Stunden-Algorithmus einzusetzen. «Die gross angelegte Studie von Raphael Twerenbold hat Zweifel ausgeräumt und hilft uns, die Diagnose des Herzinfarkts weiter zu verbessern», sagt Prof. Thomas F. Lüscher, Vorsitzender der Kommission Forschung der Schweizerischen Herzstiftung.


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