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Wieder lernen, wie man «Frosch» sagt

Ein Hirnschlag kann unterschiedliche Folgen haben, je nachdem, welcher Bereich des Gehirns Schaden nimmt. Bei Marco Rusterholz traf es ausgerechnet das Sprachvermögen.

Marco Rusterholz liebt das Gespräch. Er sagt es auch selbst: «Ich bin der schlagfertige Typ und nie um eine spitze Bemerkung verlegen.» Doch vor sieben Jahren blieb ihm plötzlich die Sprache weg. Er erinnert sich genau an den kalten Novembertag. Nachdem er aufgestanden war, machte er sich für die Arbeit parat. Aus dem Kleiderschrank wollte er noch einen Pullover herauszupfen, doch dies gelang ihm einfach nicht.

«Ich stand vor dem Schrank und konnte den Befehl nicht an meine Arme weitergeben», erzählt Marco Rusterholz. Er setzte sich auf die Bettkante. Kurz danach kam sein Schatz ins Schlafzimmer und fragte ihn, weshalb er noch nicht zur Arbeit gefahren sei. Marco zeigte mit den Händen auf seinen Mund. Er blieb stumm.

Wäre Roger wie gewohnt um sechs aus dem Haus gegangen, hätte wohl niemand Marco helfen können. Doch an diesem Morgen hatte Roger einen späten Kundentermin und konnte sofort den Notruf 144 alar­mieren. Im Stadtspital Triemli in Zürich stellte das Ärzteteam einen Hirnschlag fest. Sofort wurde auf der Stroke Unit eine Thrombolyse eingeleitet. Zum Glück klappte alles gut, Marco überstand den Hirnschlag. Aber richtig sprechen konnte er nicht mehr.

Es begann eine lange Zeit, in der er mit Hilfe von Logopädinnen das Sprechen wieder erlernte. Zuerst im Triemlispital, dann in der Reha-­Klinik Kilchberg und schliesslich monatelang in Therapiestunden. Wie er seine Zunge und Lippen formen muss, um «Frosch» zu sagen. Die richtigen Wörter finden. Mit Computer­spielen seine Reaktionsfähigkeit verbessern.

Er ver­suchte es, von der positiven Seite zu sehen. «Wer hat schon die Chance, als Erwachsener sprechen zu lernen», witzelt er. Vieles forderte von ihm Geduld. Aber er hat «en härte Grind», wie er selbst betont. Für ihn war klar, die Sprache war ihm wichtig, er wollte alle seine Fähigheiten wiedererlangen. Ende Januar nahm er seine Arbeit wieder auf. Zunächst nur 20 Prozent, denn schon kleine Arbeiten im Büro machten ihn müde.

Heute ist alles wieder so wie früher. Marco Ruster­holz spricht schnell und mit Schalk. Seit Jahren ist er voll im Berufsleben. Dennoch war der Hirnschlag eine grosse Zäsur. Wer erwartet ein solches Ereignis im Alter von 47 Jahren? Man fragt sich: Welches Leben steht einem bevor? Dies wühlte ihn auf. Noch im Spital im Dezember wünschte er sich, so rasch wie möglich seinen Partner zu heiraten. Und er schaffte auch dies: Am 13. Januar liessen Marco und Roger ihre Partner­schaft eintragen. Nur die glücklichen Eltern und nahe Angehörige hatten vorher davon erfahren.


Informieren Sie sich

Hirnschlag erkennen. Leben retten.
Schnelles Handeln rettet Leben. Denn im Ernstfall zählt jede Minute. Tritt eines der Symptome auf, alarmieren Sie sofort den Notruf 144: 

  •  Lähmungen: Plötzliche Lähmung, Gefühlsstörung oder Schwäche, meist nur auf einer Körperseite (Gesicht, Arm oder Bein)
  •  Sprachstörungen oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
  •  Sehstörungen: Plötzliche Blindheit (oft nur auf einem Auge) oder Doppelbilder
  •  Schwindel: Starker Schwindel mit Gehunfähigkeit
  •  Kopfschmerzen: Plötzlicher, ungewöhnlicher, heftiger Kopfschmerz

Mehr zum Hirnschlag, zu den Warnzeichen und der richtigen Reaktion finden Sie auf unserer Seite www.hirnschlag.ch

 

 

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