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Wenn der Hirnschlag im Schlaf kommt

In der Schweiz erleiden jährlich etwa 16‘000 Personen einen Hirnschlag. Etwa einer von fünf Hirnschlägen tritt während des Schlafes auf. Für viele dieser Fälle existiert aktuell keine zugelassene Therapie. Eine durch die Schweizerische Herzstiftung geförderte Studie könnte das ändern.

Einer von fünf Betroffenen stirbt daran, einer von drei bleibt behindert, zum Teil schwer. Der Hirnschlag ist somit die häufigste Ursache einer vorzeitig erworbenen Invalidität und die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Heute können die Spezialist/innen in den Hirnschlag-Zentren dank Fortschritten in der Forschung in einem Notfall vielen Betroffenen helfen.

Hirnschlag im Schlaf

Ist das verstopfte Gefäss gross genug, kann das Blutgerinnsel mittels eines dünnen Katheters entfernt werden. Dafür wird der Katheter über die Leistenarterie eingeführt. Anschliessend wird das Gerinnsel mit einem Gitter, das sich am Ende des Katheters befindet, erfasst und herausgezogen. Dieses Verfahren nennt sich mechanische Thrombektomie.

Bei einem Verschluss von kleineren Gefässen kommt die Thrombolyse zum Einsatz. Dabei werden stark gerinnungshemmende Medikamente intravenös verabreicht. Sie lösen das Blutgerinnsel auf. Das Problem: Je länger der Hirnschlag zurück liegt, desto geringer ist der Nutzen der intravenösen Thrombolyse. Daher ist diese aktuell nur bis 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome zugelassen.

Dr. Joachim Fladt
«Dank dieser Studie werden wir mehr Hirnschlag-Patienten und Patientinnen helfen können, davon bin ich überzeugt.» Dr. Joachim Fladt, Studienarzt, Stroke Center Universitätsspital Basel

Bei etwa einem Fünftel aller Patient/innen ist der Zeitpunkt des Hirnschlags aber nicht bekannt, weil er im Schlaf auftritt und die Betroffenen die Symptome erst nach dem Aufwachen bemerken. Aufgrund des unklaren Zeitfensters existiert für diese Patient/innen aktuell keine zugelassene Therapie, wenn kleine Gefässe betroffen sind.

Studie mit grossem Potential
In einer am Stroke Center des Universitätsspitals Basel durchgeführten Studie wird nach Möglichkeiten gesucht, mittels Computer-Tomographie (CT) diejenigen Patient/innen zu erkennen, die von einer Thrombolyse profitieren könnten, auch wenn der Zeitpunkt des Hirnschlags nicht bekannt ist. «Eine CT-Untersuchung braucht nur wenig Zeit und steht in allen Hirnschlag-Zentren routinemässig zur Verfügung», sagt Dr. Joachim Fladt, einer der Studienärzte.

Das in der Studie eingesetzte Medikament zeichne sich zudem durch eine einfachere Handhabung gegenüber dem Standardmedikament aus und könne Gerinnsel spezifischer auflösen. Die Ergebnisse dieser Studie werden einen unmittelbaren Einfluss auf die Akutbehandlung derjenigen Patient/innen haben, die den Hirnschlag im Schlaf erleiden und die bislang von der intravenösen Behandlung ausgeschlossen werden. «Dank dieser Studie werden wir mehr Hirnschlag-Patienten und Patientinnen helfen können, davon bin ich überzeugt», so Fladt.

Die Forschungsförderung der Schweizerischen Herzstiftung
Die Schweizerische Herzstiftung fördert gezielt Forschungsprojekte mit einem unmittelbaren Nutzen für Patientinnen und Patienten. So auch dieses Hirnschlag-Projekt mit dem namhaften Betrag von 100'000 Franken. Allerdings gibt es eine grosse Diskrepanz zwischen den von der Forschung benötigten und den verfügbaren Mitteln. 2019 konnte die Schweizerische Herzstiftung 35 Forschungsprojekte mit insgesamt 2,5 Mio. Franken unterstützen, eingegangen waren 121 Gesuche. Die restlichen mussten wegen der beschränkten Mittel abgelehnt werden, darunter auch qualitativ hochstehende.

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Informieren Sie sich

Hirnschlag erkennen. Leben retten.
Schnelles Handeln rettet Leben. Denn im Ernstfall zählt jede Minute. Tritt eines der Symptome auf, alarmieren Sie sofort den Notruf 144: 

  •  Lähmungen: Plötzliche Lähmung, Gefühlsstörung oder Schwäche, meist nur auf einer Körperseite (Gesicht, Arm oder Bein)
  •  Sprachstörungen oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
  •  Sehstörungen: Plötzliche Blindheit (oft nur auf einem Auge) oder Doppelbilder
  •  Schwindel: Starker Schwindel mit Gehunfähigkeit
  •  Kopfschmerzen: Plötzlicher, ungewöhnlicher, heftiger Kopfschmerz

Mehr zum Hirnschlag, zu den Warnzeichen und der richtigen Reaktion finden Sie auf unserer Seite www.hirnschlag.ch

 

 

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