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Warum sich Herzpatienten während der Corona-Pandemie erst recht gegen Grippe impfen sollten

Die Grippeimpfung hat für Herzkranke und andere chronisch Kranke grosse Vorteile. In Zeiten von COVID-19 ist die Impfung sogar noch wichtiger, sagt Prof. Giovanni Pedrazzini, Chefarzt am Cardiocentro Ticino in Lugano

Werden die Gefahren einer Grippe unterschätzt?
Prof. Giovanni Pedrazzini: Ja. Bei jeder Grippewelle sterben mehr älteren Menschen und Menschen mit einer chronischen Krankheit, darunter auch solche mit einer Herz-Kreislauf-Krankheit, als sonst. Für solche Personen birgt die Grippe tatsächlich ein Risiko.

Deshalb empfehlen Sie Herzpatienten die Grippeimpfung?
Herzpatienten, insbesondere Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzkrankheit oder einer Herzinsuffizienz, sind geschwächt. Im Falle einer Grippe weisen sie ein hohes Risiko für Komplikationen auf. Es kann zum Beispiel eine Lungenentzündung entstehen. Und bei einer Lungenentzündung wiederum besteht die Gefahr, dass sich der Zustand des Herzens dramatisch verschlechtert. Wer sich gegen die Grippe impft, kann sich davor schützen.

Grippeimpfung

Sollen sich Herzpatienten auch während der Corona-Pandemie gegen Grippe impfen lassen?
Auf jeden Fall. Wie gesagt ist eine Grippeimpfung für Herzpatienten immer sinnvoll, gerade weil bei geschwächten Personen unerwünschte und manchmal ungünstige Verläufe beobachtet werden können. Im Hinblick auf die begleitende COVID-19-Pandemie sind zwei Hauptgründe dafür zu nennen, dass eine Impfung gegen die Grippe unerlässlich ist. Erstens: Bei gleichzeitigem Auftreten beider Wellen, Grippe und COVID-19, besteht die Gefahr, dass unsere Krankenhausressourcen massiv unter Druck geraten. Wir wären dann wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, die Patienten optimal zu versorgen. Wenn man sich impft, unterstützt man also das Gesundheitspersonal. Zweitens: Eine gleichzeitige Infektion mit dem Corona- und dem Grippe-Virus könnte bei ein und derselben Person auftreten, mit potentiell katastrophalen Folgen.

Was soll ein Herzpatient tun, wenn er Symptome hat und nicht weiss, ob es eine Grippe oder COVID-19 ist?
In den frühen Stadien der Infektion können beide Krankheiten ähnliche Symptome aufweisen, das heisst Fieber, Husten, Muskelschmerzen und Schnupfen. Allerdings ist der Krankheitsverlauf nicht immer vergleichbar und bei einer COVID-19-Infektion kann es manchmal zu ungünstigen Verläufen kommen. Es ist deshalb äusserst wichtig, die beiden Krankheiten unterscheiden zu können. Das geht nur mit einem Test. Patienten mit auch nur leichten Symptomen müssen schnell getestet werden und dürfen vor allem nicht in der Hoffnung warten, dass sich die Lage langsam bessert. Das ist, in der Regel, bei der Grippe der Fall, aber nicht unbedingt bei COVID-19.

Soll man sich gegen Grippe impfen lassen, auch wenn man Herzmedikamente zu sich nimmt?
Unbedingt. Mir sind keine Wechselwirkungen der Grippeimpfung mit Herzmedikamenten bekannt. Wir haben an unserer Klinik ganz unterschiedliche Herzpatienten, unter anderem operierte Patienten, die kardiologische und nichtkardiologische Medikamente einnehmen. Bislang habe ich noch nie eine Wechselwirkung beobachtet.

Hat die Impfung selbst Nebenwirkungen?
Die Grippeimpfung hat keine nennenswerten Nebenwirkungen. Sie hat vor allem keinen negativen Einfluss auf das Herz. Die Impfung regt die Bildung von Antikörpern gegen Grippeviren an, das Herz ist daran nicht beteiligt.

Wann wird von einer Impfung abgeraten?
Eigentlich nie. Wir empfehlen allen unseren Patienten eine Grippeimpfung. Dies gilt selbst für Herztransplantierte, deren Immunsystem unterdrückt wird. Es ist ratsam, sich im Herbst impfen zu lassen, bevor die Grippewelle ihren Höhepunkt erreicht. Aber auch eine Impfung im Dezember oder Januar schützt besser als keine.

Hinweis

  • Bei Fieber oder schweren akuten Infektionen darf keine Impfung erfolgen. Die Patienten können sie jedoch nachholen.
  • Ein wichtiger Hinweis für Patienten, die eine Behandlung mit einem klassischen oder neuen Blutverdünner (NOAK) erhalten: Für sie empfiehlt sich, den Impfstoff nicht wie gewöhnlich in den Muskel, sondern unter die Haut, also subkutan, spritzen zu lassen. Falls Sie Gerinnungshemmer einnehmen, weisen Sie vor der Impfung also unbedingt darauf hin.
  • Weitere Informationen des BAG: www.impfengegengrippe.ch

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