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Was hilft bei hohem Cholesterin?

Cholesterin gibt Anlass zu Diskussionen: Wie schädlich ist es? Wann muss man es behandeln? Prof. Nicolas Rodondi, Chefarzt und Leiter der Medizinischen Poliklinik am Inselspital Bern, erklärt im Interview, was man heute über hohe Blutfettwerte weiss.

Prof. Nicolas Rodondi

Kennen Sie Ihre Cholesterinwerte?
Prof. Nicolas Rodondi:
(lacht) Ja, die kenne ich.

Wann sollte man diese kennen?
Wir empfehlen generell einen Test für Männer ab 35 und Frauen ab 40. Wenn andere kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Herz- Kreislauf-Erkrankungen sowie hohe Cholesterinwerte in der Familie gehäuft und auch schon im jungen Alter auftreten, sollte man früher abklären. Denn dann ist das Risiko genetisch bedingt erhöht.

Welchen Einfluss hat das Cholesterin auf die Arteriosklerose, also den Herzinfarkt oder Hirnschlag?
Der Einfluss ist sehr direkt. Die Atherosklerose beginnt mit kleinen Ablagerungen des Cholesterins in den Arterien. Es folgen entzündliche Prozesse, welche die Arterien schädigen und zu Durchblutungsstörungen, zu einem Herzinfarkt oder Hirnschlag führen. Bevölkerungsstudien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen erhöhtem schlechtem LDL-Cholesterin und mehr Herz-Kreislauf-Krankheiten. Umgekehrt führt ein hoher Anteil des guten HDL-Cholesterins zu weniger Erkrankungen. Der Zusammenhang für Herzinfarkt ist sehr stark, noch stärker als beim Bluthochdruck.

Hohes Cholesterin ist also klar eine Ursache für den Herzinfarkt?
Dies wissen wir unter anderem von der familiären Hypercholesterinämie. Dies ist eine genetische Erkrankung, bei der die Patienten stark erhöhtes LDL-Cholesterin haben. Bevor es eine wirksame Behandlung gab, hatten 50 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen vor dem 60. Geburtstag einen Herzinfarkt oder Hirnschlag. Seit der Behandlung mit Medikamenten hat sich dies völlig geändert. Die Patientinnen und Patienten leben viel länger ohne Herzkrankheiten. Dies ist für mich ein klarer Beweis.

Trotzdem wird die Cholesterinbehandlung kontrovers diskutiert. Können Sie sagen, weshalb?
Die Behandlung mit einem Cholesterinsenker vermindert bei Patienten mit einem hohen Herz-Kreislauf- Risiko oder nach einem Herzinfarkt oder Hirnschlag das Risiko für ein erneutes Ereignis und den vorzeitigen Tod. Dies ist klar bewiesen und nicht umstritten. Doch welche Gruppen sonst noch von einer Therapie profitieren, wird diskutiert. Hier ist die Datenlage nicht so eindeutig. Besonders sind die Vorteile unklar, wenn das Risiko niedrig ist. Deshalb gibt es unterschiedliche Meinungen.

Was sind strittige Punkte?
Wir wissen nicht, ob ein junger Mensch, der erhöhte Blutfettwerte, aber sonst keine Herz-Kreislauf-Risiken hat, von einer jahrelangen Cholesterintherapie profitiert. Umstritten ist auch der Nutzen einer Therapie bei Menschen im fortgeschrittenen Alter.

In gewissen Medien liest man sogar von einem Cholesterin- Bluff. Über den Bluthochdruck liest man keine solche Geschichten. Weshalb?
Vielleicht hat dies damit zu tun, dass es sich um eine relativ neue Therapie handelt. Vor 1995 gab es noch keine wirksame Behandlung bei hohen Cholesterinwerten. Den Bluthochdruck hingegen behandeln wir seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem ist die Cholesterinbehandlung etwas komplizierter als die Blutdruckbehandlung. Andere Faktoren spielen eine Rolle: Raucht jemand? Bestehen familiäre Risiken? Ist eine genetische Erkrankung die Ursache? Dies verursacht Unsicherheit, manchmal auch bei Ärzten.

Aber warum das Misstrauen?
Bis jetzt wurden die meisten Studien von der Pharmaindustrie durchgeführt, was bei neuen Medikamenten üblich ist. Dies schürt bei manchen den Verdacht, dass die Resultate zu deren Gunsten ausfallen. Unabhängige Studien gibt es, es sind aber noch nicht viele. Bei Blutdruckmedikamenten sieht es ganz anders aus, weil diese schon viel länger auf dem Markt sind.

Herzgesunde Ernährung
Gene und Ernährung beeinflussen das Cholesterin im Blut.

Wie kommt es zu hohen Cholesterinwerten?
Die Genetik spielt eine wichtige Rolle. Dazu kommt auch die Ernährung.

Lange hat man das Cholesterin in der Ernährung, zum Beispiel in Eiern, für die hohen Blutfettwerte verantwortlich gemacht.
Heute ist klar, dass die gesättigten Fettsäuren zu einem Anstieg des schlechten LDL-Cholesterins führen. Einen noch stärkeren Einfluss auf die Entwicklung von Herz- Kreislauf-Krankheiten haben die Transfette. Das Cholesterin in den Eiern oder Meeresfrüchten hingegen spielt keine grosse Rolle. Davon müsste man sehr viel essen, damit die Cholesterinwerte ansteigen.

Nun sagt der Arzt oder die Ärztin, dass das Cholesterin etwas zu hoch ist. Was bedeutet dies?
Mit den Cholesterinwerten allein kann man keine gute Entscheidung treffen. Man muss immer auch das Herz- Kreislauf-Risiko errechnen. Wenn das Risiko tief ist, braucht man ausser Lebensstiländerungen keine Therapie. Wenn das Risiko hoch ist oder bei einer genetischen Erkrankung braucht man häufig Medikamente.

Was kann man selbst tun, um das Cholesterin günstig zu beeinflussen?
Der Rauchstopp ist sehr wichtig. Rauchen führt zu einer Oxydation des LDL-Cholesterins, wodurch kleine Partikel in die Arterie eindringen und sie schädigen. Die Ernährung ist ebenfalls zentral. Eine mediterrane Ernährung reduziert das schlechte LDL-Cholesterin zwar nur wenig, aber senkt das Herz-Kreislauf-Risiko bis zu 30 Prozent. Die körperliche Aktivität schliesslich trägt dazu bei, das gute HDL-Cholesterin zu erhöhen.

Nützen cholesterinsenkende Margarinen etwas?
Studien zeigen, dass man mit cholesterinsenkenden Margarinen das LDL-Cholesterin um 5 Prozent vermindern kann. Aber keine Studie zeigt, dass man damit auch das Herz-Kreislauf-Risiko senkt. Deshalb überzeugt mich der Nutzen nicht. Entweder hat man ein hohes Risiko, dann braucht es Medikamente. Oder es ist tief, dann sollte man den Lebensstil anpassen und nicht nur die Margarine.

Die wichtigsten Cholesterinmedikamente, die Statine, haben nicht den besten Ruf. Welche Probleme sind damit verbunden?
Die Statine sind im Vergleich zu anderen Medikamenten relativ sicher. Schwere Nebenwirkungen sehen wir extrem selten. Ein grosses Problem sind jedoch die Muskelschmerzen. Darüber wissen wir noch zu wenig und die Behandlung ist schwierig.

Wie steht es mit Diabetes, Krebs oder Demenz als Nebenwirkungen?
Auch wenn man unter Statinen einen leicht erhöhten Blutzuckerspiegel hat oder einen Diabetes entwickelt, profitiert man trotzdem von der Therapie. Das Risiko für Krebs erhöht sich nicht, wie alle grossen Metaanalysen zeigen. Das gleiche gilt für die Demenz. Lange hat man sich erhofft, dass Statine das Demenzrisiko gar senken. Dies ist nicht der Fall, der Einfluss der Statine auf die Demenz ist weder positiv noch negativ.

In den letzten Jahren sind neue Medikamente entwickelt worden. Wer profitiert davon?
Für Menschen mit hohem Risiko, die trotz Statinen oder Ezetimib ein kardiovaskuläres Ereignis haben, gibt es eine neue Medikamentenklasse. Diese ist auch für Patienten mit einem genetisch bedingten hohen Cholesterinspiegel manchmal nötig.


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