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Warum sich Herzpatienten gegen Grippe impfen sollten

Die Grippeimpfung hat für Herzkranke und andere chronisch Kranke grosse Vorteile. Doch nicht nur sie profitieren davon, sagt Prof. Giovanni Pedrazzini, Chefarzt am Cardiocentro Ticino in Lugano.

Werden die Gefahren einer Grippe unterschätzt?
Prof. Giovanni Pedrazzini: Ja. Bei jeder Grippewelle sterben mehr älteren Menschen und Menschen mit einer chronischen Krankheit, darunter auch solche mit einer Herz-Kreislauf-Krankheit, als sonst. Für solche Personen birgt die Grippe tatsächlich ein Risiko.

Deshalb empfehlen Sie Herzpatienten die Grippeimpfung?
Herzpatienten, insbesondere Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzkrankheit oder einer Herzinsuffizienz, sind geschwächt. Im Falle einer Grippe weisen sie ein hohes Risiko für Komplikationen auf. Es kann zum Beispiel eine Lungenentzündung entstehen. Und bei einer Lungenentzündung wiederum besteht die Gefahr, dass sich der Zustand des Herzens dramatisch verschlechtern. Wer sich gegen die Grippe impft, kann sich davor schützen.

Grippeimpfung

Profitieren auch Gesunde?
Die Grippeviren können das Herz direkt angreifen. In sehr seltenen Fällen entwickelt sich eine Herzmuskelentzündung, eine Myokarditis. Dies ist auch bei Menschen möglich, die keine Herzkrankheit haben. Deshalb ist auch für Gesunde eine Grippeimpfung empfehlenswert.

Soll man sich gegen Grippe impfen lassen, auch wenn man Herzmedikamente zu sich nimmt?
Unbedingt. Mir sind keine Wechselwirkungen der Grippeimpfung mit Herzmedikamenten bekannt. Wir haben an unserer Klinik ganz unterschiedliche Herzpatienten, unter anderem operierte Patienten, die kardiologische und nichtkardiologische Medikamente einnehmen. Bislang habe ich noch nie eine Wechselwirkung beobachtet.

Hat die Impfung selbst Nebenwirkungen?
Die Grippeimpfung hat keine nennenswerten Nebenwirkungen. Sie hat vor allem keinen negativen Einfluss auf das Herz. Die Impfung regt die Bildung von Antikörpern gegen Grippeviren an, das Herz ist daran nicht beteiligt.

Wann wird von einer Impfung abgeraten?
Eigentlich nie. Wir empfehlen allen unseren Patienten eine Grippeimpfung. Dies gilt selbst für Herztransplantierte, deren Immunsystem unterdrückt wird. Wichtig ist, dass man sich früh genug impfen lässt, also im Oktober und November, bevor die Grippewelle ihren Höhepunkt erreicht.

Hinweis

  • Bei Fieber oder schweren akuten Infektionen darf keine Impfung erfolgen. Die Patienten können sie jedoch nachholen.
  • Ein wichtiger Hinweis für Patienten, die eine Behandlung mit einem klassischen oder neuen Blutverdünner (NOAK) erhalten: Für sie empfiehlt sich, den Impfstoff nicht wie gewöhnlich in den Muskel, sondern unter die Haut, also subkutan, spritzen zu lassen. Falls Sie Gerinnungshemmer einnehmen, weisen Sie vor der Impfung also unbedingt darauf hin.
  • Weitere Informationen des BAG: www.impfengegengrippe.ch

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