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Vorhofflimmern - Antworten auf die elf häufigsten Fragen

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und betrifft viele ältere Menschen. Die Störung kann unbehandelt schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Hier beantworten wir die meistgestellten Fragen.

1. Wie bemerke ich ein Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung. Das heisst, dass das Herz gelegentlich oder dauerhaft unregelmässig und meist zu schnell schlägt. In den Vorhöfen entsteht eine Art elektrisches Gewitter. Dadurch schlagen sie völlig unkoordiniert, was sich auch auf die Herzkammern überträgt. Viele Patienten spüren ein rasches Herzklopfen, ein Herzrasen (Palpitationen), das über Stunden oder sogar länger andauern kann. Andere Symptome sind beispielsweise Enge- oder Druckgefühl in der Brust, Müdigkeit oder Atemnot.

Beschwerden können abgeschwächt werden, wenn die anfallsartigen Rhythmusstörungen in ein permanentes Vorhofflimmern übergehen. Oder sie treten nur noch in bestimmten Situationen auf. Bei einem gewissen Teil der Patienten löst das Vorhofflimmern überhaupt keine Beschwerden aus. Bei ihnen wird das Vorhofflimmern zufällig beim Blutdruckmessen oder bei Komplikationen entdeckt. Das genau ist aber auch das tückische an der Erkrankung, nämlich, dass sie relativ lange unentdeckt bleiben kann.

Martin Bächtold erzählt, wie beim ihm Vorhofflimmern diagnostiziert und behandelt wurde.

2. Können Blutdruckgeräte oder Apps auf ein Vorhofflimmern hinweisen? 
Ein ganz einfacher Test ist, den eigenen Puls zu messen. Schlägt er unregelmässig? Dann könnte dies ein Zeichen für ein Vorhofflimmern sein. Daneben gibt es Blutdruckgeräte und Smartphone-Apps, die den Herzrhythmus messen. Auch sie können auf Vorhofflimmern hinweisen.

Dazu gibt es drei Bemerkungen: Erstens haben nicht alle Geräte und Apps die gleiche Qualität. Zweitens ist dies nur ein Hinweis, die Diagnose Vorhofflimmern kann nur der Kardiologe, die Kardiologin aufgrund eines EKGs erstellen. Drittens muss es nicht Vorhofflimmern sein, wenn das Gerät eine Unregelmässigkeit misst. Es kann sich auch um harmlose Extraschläge des Herzens oder um eine Fehlmessung handeln.

3. Wer hat ein erhöhtes Risiko? 
Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko eines Vorhofflimmerns. Etwa 10 Prozent der über 75-Jährigen sind davon betroffen. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem bei Bluthochdruck. Herzkrankheiten wie Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen sowie eine Schilddrüsenüberfunktion können ebenfalls zu einem Vorhofflimmern führen. 

4. Ist Vorhofflimmern gefährlich? 

Vorhofflimmern kann zwar unangenehm werden, es ist aber an und für sich nicht unmittelbar gefährlich. Dies ist zunächst einmal wichtig zu wissen, damit Betroffene nicht mit unnötiger Angst leben müssen. Allerdings haben viele Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag. Das gestörte, unkoordinierte Schlagen führt dazu, dass das Blut in den Vorhöfen langsamer fliesst. Dies begünstigt dort die Bildung von Blutgerinnseln. Ein solches Gerinnsel kann in die Blutbahn ausgeschwemmt werden, ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäss blockieren. Teile des Gehirns erhalten dadurch zu wenig Sauerstoff, was zum gefürchteten Hirnschlag führt. 

5. Braucht es bei Vorhofflimmern immer eine Blutverdünnung? 
Eine Behandlung mit Gerinnungshemmern, auch Blutverdünner genannt, verhindert, dass sich im Vorhof des Herzens ein gefährliches Blutgerinnsel bildet. Die allermeisten Patientinnen und Patienten benötigen eine solche Vorbeugung. Aber nicht alle. Deshalb macht der Kardiologe oder die Kardiologin vorgängig eine Risikoabwägung. Damit wird verhindert, dass zum Beispiel ein jüngerer Patient ohne Hirnschlagrisiko unnötigerweise eine solche Behandlung erhält. 

6. Sind die neuen Gerinnungshemmer empfehlenswert?

Seit rund 10 Jahren stehen neben dem Marcoumar und Sintrom neue Gerinnungshemmer, sogenannte NOACs, zur Verfügung. Die anfängliche Skepsis gegenüber diesen Medikamenten ist aufgrund der Erfahrung und Studienlage verflogen. Heute zieht man die neuen Gerinnungshemmer dem Marcoumar und Sintrom gar vor. Der Hauptgrund dafür ist das Sicherheitsprofil.

Die neuen Medikamente führen zu weniger Nebenwirkungen als die alten, insbesondere zu weniger schweren Blutungen im Gehirn und in den anderen Organen. Die Patientinnen und Patienten haben einen weiteren Vorteil: Bei einer Behandlung mit den neuen Blutverdünnern bedarf es keiner Quick-Messung mehr. Die Ärztin, der Arzt erwägt deshalb möglicherweise einen Umstieg von den alten auf die neuen Medikamente.

7. Ist der Vorhofsohrverschluss eine Möglichkeit zur Vorbeugung? 
Der Vorhofsohrverschluss ist eine Alternative zur medikamentösen Gerinnungshemmung. Es handelt sich um einen Eingriff, bei dem eine kleine Ausbuchtung im linken Vorhof, das Vorhofsohr, per Katheter mit einem Schirmchen verschlossen wird. Dieser Eingriff ist solchen Patienten vorbehalten, die ein grosses Blutungsrisiko oder bereits Blutungen unter einer Therapie mit Blutverdünner erlitten haben.

8. Wann wird das Vorhofflimmern selbst behandelt? 
Das Vorhofflimmern selbst wird in der Regel dann behandelt, wenn der Patient oder die Patientin Symptome hat, also: Herzrasen, Leistungseinbussen, Atemnot, allgemeine Schwäche oder Schwindel. Als Behandlung kommen Medikamente oder eine Katheterablation in Frage. Je nach Patient, Gesundheitszustand und Zustand des Herzens wird die für ihn beste Behandlung ausgewählt. 

EKG
Vermutet der Kardiologe ein Vorhofflimmern, macht er ein EKG.

9. Wie erfolgreich ist die Katheterablation? 
Die Erfolgsrate liegt etwa bei 80 Prozent. In rund 20 Prozent der Fälle muss die Ablation wiederholt werden. Die Katheterablation ist primär eine symptomatische Behandlung. Das heisst, sie soll die Beschwerden des Patienten oder der Patientin verbessern. Daher ist der Erfolg abgesehen von den wissenschaftlichen Zahlen davon abhängig, wie sich der Patient nach dem Eingriff fühlt. Also wie viel weniger Vorhofflimmern er danach hat. 

10. Kann man mit Vorhofflimmern Sport treiben?
Die Antwort lautet eindeutig ja. Es gibt keinen Grund, vor körperlicher Aktivität Angst zu haben. Tritt das Vorhofflimmern während des Sports auf, verringert sich jedoch die Leistungsfähigkeit. Insgesamt verbessert die körperliche Aktivität die kardiovaskuläre Fitness. Deshalb kann man davon ausgehen, dass sie auch auf das Vorhofflimmern einen positiven Einfluss hat. 

11. Beeinflusst die Ernährung das Vorhofflimmern? 
Der direkte Zusammenhang zwischen Ernährung und Vorhofflimmern ist eher schwach. Übergewichtige Patienten mit Vorhofflimmern profitieren jedoch von einer Umstellung der Ernährung und Gewichtsabnahme. 

Experte: Prof. Michael Kühne, Leiter Vorhofflimmerklinik, Universitätsspital Basel

Artikel aus unserem Magazin HERZ und HIRNSCHLAG, April 2019

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