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Mit Stock und Ball gegen den Rückfall

Nach dem Herzinfarkt braucht es körperliche Aktivität. Dass Bewegung in einer Gruppe ansteckend wirkt, zeigt ein Einblick in die Herzgruppe Limmattal. Der Leiter Sandro Galli lässt sich für seine Truppe einiges einfallen.

Wenn Sandro Galli die Trainingsstunde vorbereitet, kommt er mit schwerem Gepäck. Die grossen Taschen sind richtige Wundertüten. Im Verlaufe der nächsten Stunde wird er immer wieder etwas aus ihnen hervorzaubern: Ringe, Bälle, Pucks, Hüte, Gummibänder, Hockey-Schläger, sie halten die Mitglieder ganz schön auf Trab, bringen sie ordentlich zum Schwitzen.

Herzgruppe
Wer einmal anfängt, der bleibt dabei: Training in der Herzgruppe Limmattal.

Wir befinden uns im Schulhaus Wolfsmatt im zürcherischen Dietikon. Draussen ist es noch winterlich kalt und bereits am Eindunkeln. Genau genommen sind wir im Singsaal, denn die Turnhalle wird nur an Vereine vergeben. Deshalb hat es keine eigentlichen Garderoben, und das Klavier in der Ecke erinnert daran, dass man den Raum sonst für ganz anderes benötigt. Doch das stört niemanden. «Der Saal hat die perfekte Grösse», sagt Sandro Galli, während er gelbe und rote Pylonen, also farbige Plastikhüte, an der Seite des Saales aufstellt. Sie bilden die beiden Tore für die Aufwärmrunde.

Anpfiff zum Minifussball
Unterdessen treffen die Mitglieder ein. Sechs Herren tauschen ihre Stiefel gegen die mitgebrachten Turnschuhe und hängen Mäntel und Jacken an die Kleiderhaken. Man merkt sofort, dass sie guter Laune sind. «Wir sind ein echtes Team», schwärmt der 57-jährige Tino Krüger, einer der Jüngeren in der Gruppe, bevor er zusammen mit seinen Kollegen in den Saal eintritt. Dort wartet Sandro Galli mit einem Ball, bildet zwei Gruppen und gibt den Anpfiff zum Minifussball.

Herzgruppe

Die Mitglieder der Herzgruppe teilen ein ähnliches Schicksal: Nach dem Herzinfarkt mussten sie wieder Vertrauen zu sich selbst und ihrem Körper finden, erleben, was sie können, die Angst verlieren vor einem Rückfall. Dies braucht Mut und Überwindung. Hat man den ersten Schritt zur körperlichen Aktivität gewagt, geht es eigentlich fast von allein, wie Sandro Galli aus der Erfahrung als Trainer weiss. Trotzdem staunte er nicht schlecht, als sich die Gruppe im letzten Sommer während seiner Ferien auch ohne ihn zum Training treffen wollte. «Sie sind hochmotiviert, es macht echt Spass mit ihnen», sagt Galli.

Am Anfang mit den Eltern
Die Herzgruppe Limmattal gibt es seit über zwei Jahren. Die Initiative zur Gründung ergriff der lokale Kardiologe Mihael Potocki. Auf der Webseite der Herzgruppen suchte man anschliessend einen Trainingsleiter. Sandro Galli meldete sich. Er hatte sich zum Herztherapeuten ausbilden lassen und leitete bereits eine Herzgruppe in Zürich. Anfänglich waren zwei von Potockis Patienten interessiert. Damit sie dennoch eine kleine Gruppe bildeten, trainierten damals auch Gallis Eltern mit. Die Mühe hat sich gelohnt: Heute sind acht Männer im wöchentlichen Kurs. «Die erste Frau wird wahrscheinlich im Frühling zu uns stossen», sagt Galli.

Sandro Galli
«Spass und Geselligkeit sind wichtig, sonst fehlt die Motivation für ein regelmässiges Training.»
Sandro Galli

Wenn es bald wieder wärmer wird, trainiert die Gruppe an der frischen Luft. Der Ping-Pong-Tisch im Schulhof wird zum Mittelpunkt der Aktivitäten, das gibt nochmals einen zusätzlichen Kick. Das Gesellige hat ebenfalls seinen Platz. Im letzten Frühjahr war es ein aktiver Tag entlang der Limmat, im Herbst davor eine anspruchsvolle Wanderung über die Lägern. Auch Mihael Potocki wanderte mit von Regensdorf nach Baden. Zur Belohnung gab es im Garten vom Schloss Schartenfels ein frisches Bier. Der Zusammenhalt spornt an.

Die wichtigste Nebensache
Sandro Galli merkt man während der ganzen Trainingsstunde an, dass ihm die Arbeit mit der Gruppe Freude macht. «Spass und Geselligkeit sind das A und O» sagt er, «sonst hören die Teilnehmer bald wieder auf.» Eigentlich sei sein Training ein verstecktes Training. Die spielerischen Elemente, das Zielen mit den Ringen, die Ballspiele, die Kraftübungen mit den violetten Gummibändern machen die Bewegung zur wichtigsten Nebensache. Das Training gestaltet er auch deshalb abwechslungsreich, weil nicht alle das gleiche Trainingsniveau haben. 

Manchmal steht das Gleichgewichtsgefühl im Vordergrund, manchmal die körperliche Ausdauer, und so ist jeder einmal speziell gefordert. Am Schluss der Stunde steht noch einmal ein Spiel an, bei dem jeder mit dem Unihockey-Stock und einem Ball die gegnerischen Holzklötzchen umwerfen muss. Der Gruppe merkt man die leichte Erschöpfung an, die Zielsicherheit nimmt ab. Sandro Galli kürzt das Spiel etwas ab, damit alle pünktlich nach Hause kommen.

Medizinische Werte verbessern

Nun schlüpfen sie wieder in ihre Winterjacken. Tino Krüger ist froh, dass es die Herzgruppe gibt. Vor anderthalb Jahren erlitt er einen Herzinfarkt. Erst in der Reha lernte er, wie gut und wichtig für ihn die Bewegung ist, und er wusste, dass er dies fortführen will. Heute lässt er häufig das Auto stehen und ist täglich zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Zum Glück hat er auch von der Herzgruppe Limmattal erfahren. «Gleich von der ersten Stunde an war klar, das ist genau das Richtige für mich», sagt Krüger. Dass sich bei den letzten medizinischen Untersuchungen auch seine Gesundheitswerte verbessert haben, stimmt ihn zusätzlich positiv. «Ich bin auf gutem Wege», sagt er, bevor er aufbricht, mit einer gesunden Portion Stolz. 

Artikel aus unserem Magazin HERZ und HIRNSCHLAG, April 2019

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