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Auf Knopfdruck Leben retten

Fabio Stalder ist Firstresponder. Also ein freiwilliger Lebensretter. Wenn irgendwo in seiner Nähe ein Herz stillsteht, ist er meist vor der Ambulanz dort.

Fabio Stalder
Fabio Stalder: «Ich bin im Dorf aufgewachsen und kenne jeden Flecken in der Region.»

Man müsse schon ein wenig den Feuerwehrler im Blut haben, sagt Fabio Stalder. Alarm, von null auf hundert, ausrücken und dann anpacken. Also keine Hemmungen haben, wenn es brenzlig wird. Es war auch in der Feuerwehr, wo man ihn fragte: Willst du nicht Firstresponder werden? Damals wusste er noch nicht, was ihn erwartete. Weil er sich gerne für Menschen in Not einsetzt, hat er spontan ja gesagt.

Unterdessen sind über fünf Jahre vergangen. Der 30-Jährige aus Zäziwil im Emmental rückt durchschnittlich zweimal pro Monat aus. Er gehört zu den geschulten Laien, die als erstes bei einem Herznotfall eintreffen. Dazu ist er an einem Firstresponder-Netz angeschlossen. Die Mitglieder des Firstresponder-Netzes Bern, dem er angehört, haben eine eigene Smartphone-App. Dort geben sie ihr Einsatzgebiet ein. Erhält der Notruf 144 einen Anruf mit Hinweis auf einen Herznotfall, werden die freiwilligen Lebensretter in der Nähe sofort alarmiert.

Fabio Stalder

Fabio Stalder erhält dann auf seinem Handy einen Alarm. Rückt er aus, muss er dies per Knopfdruck bestätigen. Dann geht es los: Sein Feuerwehrauto, mit einem Defibrillator (AED) ausgerüstet, steht gleich hinter seiner Wohnung. Weil er im Dorf aufgewachsen ist, kennt er jeden Winkel der Region und ist deshalb oft schneller vor Ort als die Ambulanz. Bei einem Herzstillstand beginnen er und weitere ausgerückte Kollegen gleich mit der Wiederbelebung, bis die professionellen Sanitäter eintreffen und übernehmen.

Jede Minute zählt. In der Schweiz erleiden jährlich rund 8000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Meist geht diesem ein Herzinfarkt oder eine Herzrhythmusstörung voraus. In solchen Momenten hilft nur eine rasche Wiederbelebung, denn mit jeder verlorenen Minute sinkt die Überlebenschance um etwa 10 Prozent. Die Ambulanz benötigt durchschnittlich 13 Minuten für die Anfahrt zum Einsatzort. Deutlich schneller sind die 1900 Firstresponder im Kanton Bern. Sie sind manchmal schon in weniger als fünf Minuten vor Ort. Weil das Netz noch nicht flächendeckend ist, braucht es weitere Firstresponder, zum Beispiel Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Sanität.

Fabio Stalder erinnert sich gut an einen seiner ersten Einsätze. Ein Bauer kippte neben seinem Stall um. Er hat überlebt und ist noch heute wohlauf. 120 Mal ist Fabio Stalder inzwischen schon aufgebrochen. Heute ist es fast ein wenig eine Routinearbeit für ihn, er bleibt meist ruhig und besonnen. Es passiert ja sowieso, sagt er sich, wenn er helfen kann, umso besser. Dennoch erlebte er auch schwierige Momente. Ein Kollege, den er am Mittag noch beim Kaffee getroffen hatte, erlitt am Abend einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ihn konnte er leider nicht mehr retten. 

Artikel aus Magazin HERZ und HIRNSCHLAG, April 2019

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