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Herzstolpern – oft harmlos, aber nicht immer

Extraschläge des Herzens sind meist unbedenklich. Sie können jedoch lästig werden oder Angst machen. Und manchmal weisen sie auf eine Herzerkrankung wie beispielsweise Vorhofflimmern hin. Weshalb gerade das Vorhofflimmern nicht ungefährlich ist, erklärt der Kardiologe Alexander Breitenstein vom Universitären Herzzentrum in Zürich.

Ein seltsam hüpfendes Herz, also eine kurze Pause und dann ein etwas heftigeres Klopfen, viele Menschen erleben dies. Was ist das?
PD Dr. Alexander Breitenstein:
Diese Art von Herzstolpern beobachten wir tatsächlich sehr häufig. Es handelt sich um Extraschläge oder Extrasystolen, die nichts anderes sind als eine zusätzliche Aktivierung des Herzens. Der Schlag kommt etwas zu früh und hinterlässt in der Regel eine Pause, bis der nächste reguläre Schlag wieder einsetzt. In dieser Pause haben die Herzkammern mehr Zeit, sich mit Blut zu füllen. Demensprechend stösst das Herz eine grössere Menge Blut aus, man spürt also den darauffolgenden Herzschlag stärker.

Wann treten solche kurzen Aussetzer auf?
Tendenziell nehmen die Extraschläge bei körperlicher Aktivität ab. Das heisst umgekehrt, man spürt sie eher in der Ruhephase, wenn man auf dem Sofa liegt oder vor dem Einschlafen im Bett. Das Herz schlägt dann langsamer und die Herzzellen haben mehr Kapazität, sich zu entladen und solche Schläge auszulösen.

Ist das Herzstolpern harmlos?
Es kommt darauf an, in welchem Rahmen es auftritt. Jede Herzzelle hat die Fähigkeit, einen solchen Extraschlag auszulösen. Deshalb erleben dies viele gesunde Menschen. Solange das Herz gesund ist, die Extraschläge selten erfolgen und Betroffene nicht darunter im Alltag leiden, muss nichts unternommen werden. Das Herzstolpern beobachten wir aber auch bei Menschen mit einer Herzerkrankung, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt. Das müssen wir dann genauer untersuchen.

Dr. med. Alexander Breitenstein
PD Dr. med. Alexander Breitenstein, Universitäres Herzzentrum Zürich

Wann sollte man wegen des Herzstolperns zum Arzt oder zur Ärztin? 
Eine Abklärung empfehle ich, wenn es störend ist und man sich subjektiv eingeschränkt fühlt. Oder wenn die Extraschläge sehr häufig erfolgen, also mit jedem dritten oder vierten Schlag. Dann kann längerfristig die Herzleistung darunter leiden. Dringend eine Abklärung braucht es, wenn die Extraschläge zusammen mit anderen Beschwerden auftreten wie Schwindel, Bewusstlosigkeit oder grosser Atemnot. Denn dies kann ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Herzerkrankung sein.

Kann das Herzstolpern auch ein Anzeichen für ein Vorhofflimmern sein?
Ja, das kann es. Insbesondere dann, wenn der Puls schlagartig schnell wird und unregelmässig schlägt. Damit verbunden sind manchmal auch eine Einbusse der körperlichen Leistung, Atemnot, Schwindel oder ein Engegefühl in der Brust.

Was passiert beim Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung aus der Vorkammer, dem Vorhof. Der normale Taktgeber des Herzens, der Sinusrhythmus, unterbricht komplett. Die Vorhöfe schlagen chaotisch und schnell, 300 bis 600 Mal pro Minute, und leiten die unregelmässige Aktivierung auf die Herzkammern über. Deshalb auch der typische schnelle, unregelmässige Puls, den Patientinnen und Patienten beim Vorhofflimmern verspüren.

Ist Vorhofflimmern gefährlich?
Ja und nein. Es handelt sich nicht um eine Rhythmusstörung, die unmittelbar das Herz bedroht und zum Tod führen kann. Gefährlich daran ist, dass Vorhofflimmern aber einen Hirnschlag auslösen kann. Dieses Risiko ist nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich hoch. Daher soll man im Gespräch mit den Patienten das individuelle Risiko anschauen und, wenn notwendig, eine vorbeugende Behandlung mit Blutverdünnern einleiten, um einen Hirnschlag möglichst zu vermeiden.

Kann man das Vorhofflimmern behandeln?
Ja, das kann man. Einerseits behandeln wir die Risikofaktoren, die das Herz belasten und dadurch das Vorhofflimmern begünstigen. Also einen schlecht eingestellten Blutdruck oder Diabetes, Übergewicht, Schlafapnoe. Im zweiten Schritt diskutieren wir Möglichkeiten, das Vorhofflimmern direkt zu behandeln. Die Art und Weise dieser Behandlung hängt davon ab, wie lange das Vorhofflimmern besteht.

Wenn es schon lange besteht und wir es kaum mehr schaffen, den normalen Rhythmus herzustellen, dann ist eine gute Frequenzkontrolle das A und O. Mit Medikamenten erreichen wir, dass der Puls nicht zu schnell ist und die Menschen somit möglichst wenig Symptome verspüren. In einer frühen Phase hingegen, wenn das Vorhofflimmern noch vorübergehend ist, versuchen wir, das Herz möglichst lange in einem normalen Rhythmus zu behalten. Dies können Medikamente sein oder ein Eingriff per Katheter, eine sogenannte Ablation.

Online-Veranstaltung zu Vorhofflimmern und Hirnschlag

Erfahren Sie mehr zu Vorhofflimmern und der Gefahr eines Hirnschlags. Am 29. April von 18.30 bis 20 Uhr informierte neben PD Dr. Alexander Breitenstein auch der Neurologe Prof. Krassen Nedeltchev, Leiter des Stroke Center im Kantonsspital Aarau, über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Zur Veranstaltung.

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