Medizinische Fortschritte

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der Herz-Kreislauf-Forschung so viele Fortschritte erzielt wie vorher in mehreren Jahrhunderten nicht. Dennoch darf der heutige hohe Stand nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast alles, was wir in der Medizin der Herz-Kreislauf-Krankheiten tun, lediglich eine symptomatische und keine kausale Behandlung ist und wir etlichen Krankheitsbildern nach wie vor hilflos gegenüberstehen. Nur wenn wir weiter forschen, werden wir weiter fortschreiten und in Zukunft ursächliche Therapien finden.

Fortschritte im letzten Jahrhundert

Die rasanten Fortschritte in der Herz-Kreislauf-Forschung sind so eindrücklich, dass manche Menschen meinen, der Kampf sei schon gewonnen. Zu Unrecht, denn trotz allem Erreichten:

  • Herzkrankheiten und Hirnschlag bleiben weiterhin eine grosse Bedrohung.
  • Sie stehen an der Spitze der Gründe für Spitaleinweisungen und Arztkonsultationen und sind Todesursache Nr. 1 der Bevölkerung in unserem Land.
  • Der Hirnschlag ist zudem der häufigste Grund für vorzeitige Invalidität.

Die Behandlung von Herz- und Gefässkrankheiten stellt eine erhebliche gesundheitsökonomische Belastung dar. Die Schweizerische Herzstiftung fördert deshalb nicht nur die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung im kardiovaskulären Sektor, sie engagiert sich ausserdem in der Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. Nur Anstrengungen auf beiden Ebenen können bewirken, dass in Zukunft weniger Menschen erkranken, behindert werden oder vorzeitig wegen eines Herz-Kreislauf-Leidens sterben.

Herz und Gefässe werden sichtbar

Schon seit langer Zeit war es der Traum der Menschheit, in das Innere des menschlichen Körpers zu sehen, um Krankheiten behandeln zu können, ohne Schaden anzurichten. Dieser Traum wurde aber erst im letzten Jahrhundert wahr. Es war die Zeit der bahnbrechenden Fortschritte in den bildgebenden Verfahren. Die wirklich grossen Errungenschaften kamen sogar erst in den letzten fünfzig Jahren zustande. Die ersten echokardiografischen Darstellungen der Herzklappen gelangen anfangs der fünfziger Jahre, die erste Koronarangiografie 1958. Beide Verfahren wurden in atemberaubendem Tempo perfektioniert und sind mittlerweile weltweit verbreitet. Neuere Methoden, wie die Magnetresonanztomografie (MRI) erlauben es heute gar, Gefässe ohne Röntgenstrahlen und ohne Katheter darzustellen.

Gefässaufdehnung und Überbrückung

Meilensteine setzten 1967 der Chirurg René Favarolo in Cleveland und 1977 der Arzt Andreas Grüntzig in der Schweiz. Favarolo überbrückte mit einer Beinvene eine verengte Arterie und stellte durch diese Bypass-Operation die Blutversorgung des Herzens wieder sicher. Die Operation wurde später durch die Verwendung der Brustwandarterie als Umleitung wesentlich verbessert. Grüntzig ergänzte das Spektrum der Massnahmen zur Behebung von Durchblutungsstörungen durch die erstmals in Zürich erfolgreich ausgeführte Aufdehnung einer verengten Herzkranzarterie mit einem aufblasbaren Katheter. Sowohl die Ballondilatation als auch die Bypass-Operation sind Verfahren, die heute jährlich weltweit an Millionen von Patienten angewendet werden.

Dem Herzrhythmus auf die Sprünge helfen

Die detaillierte elektrische Untersuchung des Herzens und die definitive Behandlung von Rhythmusstörungen waren ab 1953 durch die Darstellung der elektrischen Erregung im Herzen möglich. 1981 wurden die ersten so genannten transluminalen Ablationen (Verödung von überzähligen Erregungsleitungsbahnen mittels Herzkatheter) vorgenommen. Diese mit Hochfrequenztechnik durchgeführten Eingriffe bringen vielen Menschen mit chronischen Herzrhythmusstörungen definitive Heilung. Die ersten Herzschrittmacher zur Behandlung eines zu langsamen Rhythmus implantierte 1958 der schwedische Chirurg Åke Senning. Die Implantation von Defibrillatoren, die bei chaotischer Herzmuskelerregung einen Elektroschock abgeben, begann in den achtziger Jahren.

Prävention und Medikamente

Auf den ersten Blick weniger spektakulär erscheinen die Erfolge durch Prävention und die pharmakologische Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dennoch ist es eine Tatsache: Medikamente und das vermehrte Wissen um vorbeugende Massnahmen haben einer weitaus grösseren Zahl an Menschen das Leben gerettet und zu einer besseren Lebensqualität verholfen als die technischen Verfahren.

Bis 1950 waren einzig Nitrate, Quecksilberdiuretika und Digitalis als Herzmittel gut bekannt. In den sechziger Jahren kamen Aldosteronantagonisten und hochwirksame Diuretika sowie Betablocker hinzu. Der segensreiche Einfluss der Betablocker auf die Lebensqualität nach einem Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz wurde aber erst in den achtziger und neunziger Jahren ausgiebig erforscht und der Vorteil von Aldosteron-Antagonisten bei den gleichen Erkrankungen konnte erst in den letzten Jahren gesichert werden.

Die orale Antikoagulation (Gerinnungshemmung) wurde erstmals 1941 in der Mayo-Klinik in den USA angewendet. Heute sind Gerinnungshemmer («Blutverdünner») unverzichtbar in der Herz-Kreislauf-Medizin. Für ein besseres Schicksal von Millionen von Herzinfarkt- und Hirnschlagpatienten sorgte in den achtziger Jahren die thrombolytische Behandlung mit speziellen gerinnselauflösenden Substanzen.

In neuerer Zeit wurden die ACE-Hemmer und die Angiotensin-II-Antagonisten entwickelt. Sie werden sowohl bei Bluthochdruck als auch bei Herzinsuffizienz sehr erfolgreich eingesetzt. Eine neue Ära in der Behandlung erhöhter Blutfettwerte läuteten die Lipidsenker (Statine) ein. In grossen Studien haben diese Medikamente bewiesen, dass sie das Infarktrisiko vermindern. Sie verhindern die Einlagerung von Cholesterin in die Gefässwand, welches dort die Arteriosklerose fördert.


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Broschüre Forschungsförderung der Schweizerischen Herzstiftung

Einblicke in die Schweizer Herz-Kreislauf-Forschung in der Schweiz. Ausgabe 2015

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