Forschungspreis

Seit 1981 verleiht die Schweizerische Herzstiftung jährlich einen Forschungspreis für eine oder mehrere hervorragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Prävention, Diagnose und Behandlung der Herz-Kreislauf-Krankheiten. Der Preis ist mit CHF 20'000 dotiert.

Forschungspreis 2018: Mehr Patienten könnten von Hirnschlagbehandlung profitieren

Nur ein kleiner Teil der Patienten mit einem akuten Hirnschlag erhält die Standardtherapie, eine Thrombolyse. Denn oft wird das Risiko einer lebensbedrohlichen Blutungskomplikation als zu gross angesehen. Die Analyse einer internationalen Datenbank zeigt nun: Von der Behandlung könnten mehr Patienten profitieren als bisher angenommen. PD Dr. Henrik Gensicke von der Universität Basel erhält dafür den mit 20'000 Franken dotierten Forschungspreis 2018 der Schweizerischen Herzstiftung.

Dr. Henrik Gensicke
Dr. Henrik Gensicke, Forschungspreisträger 2018

Jeder Hirnschlag ist ein Wettlauf mit der Zeit. Damit möglichst wenig Hirngewebe abstirbt, muss das Blutgerinnsel einer hirnversorgenden Arterie so schnell wie möglich aufgelöst oder entfernt werden. Seit Ende der 1990er-Jahren ist hierfür die intravenöse Thrombolyse die Therapie der Wahl.

Die intravenöse Thrombolyse wirkt stark blutverdünnend. Es besteht daher die Gefahr einer grösseren, im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlichen, Blutung. Vor diesem Hintergrund müssen Ärztinnen und Ärzte jeweils abwägen, ob der Nutzen der Behandlung überwiegt oder aber das Blutungsrisiko zu gross ist. Gerade bei Begleiterkrankungen ist dies oft unklar. «Wir wissen bei vielen Hirnschlagpatienten nicht, ob der Nutzen der Thrombolyse grösser ist als das Risiko», sagt PD Dr. Henrik Gensicke vom Stroke Center der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals und der Universität Basel. Zahlreiche Patientengruppen schliesst man deshalb vorsichtshalber von dieser Behandlung aus.

Ein Register gibt Aufschluss
Doch ist ein solcher Ausschluss gerechtfertigt? Dazu fehlen die Zahlen. Denn diese Patientengruppen werden auch in den grossen Zulassungsstudien nicht berücksichtigt. «Die Unsicherheit im klinischen Alltag ist gross», sagt Gensicke, «und das ist sehr unbefriedigend». Gensicke und sein Team haben nun versucht, mithilfe von Patientendaten aus dem klinischem Alltag Antworten zu erhalten. Sie werteten das Register TRISP (Thrombolysis in Ischaemic Stroke Patients) aus, das 2011 durch eine Basler Initiative aufgebaut wurde. Das Register umfasst mittlerweile Daten von über 10'000 thrombolysierten Hirnschlagpatienten aus 18 europäischen Hirnschlagzentren. Die Analyse gibt Einblicke in Behandlungserfolge oder -misserfolge auch von bislang unklaren Patientengruppen.

Bessere Hirnschlagbehandlung in Sicht
Eine solche Gruppe sind Patienten, die vor dem Hirnschlag bereits an alltagsrelevanten Behinderungen leiden. Sie sind aus den Zulassungsstudien ausgeschlossen worden und erhalten im klinischen Alltag seltener eine Thrombolyse. Die Auswertung zeigt nun, dass die Behandlung bei ihnen genauso so sicher und mindestens genauso wirksam ist wie bei Patienten ohne eine solche Behinderung. Ähnlich ist es bei Patienten mit tiefen Thrombozyten-Zahlen. Tiefe Thrombozyten-Zahlen sind eine Kontraindikation für die Thrombolyse-Behandlung. Deren Bestimmung im Blut kostet wertvolle Zeit. Anhand der TRISP-Daten konnte gezeigt werden, dass das Warten auf die Thrombozyten-Resultate den Therapiebeginn nicht verzögern sollte. Ebenso, dass tiefe Thrombozyten-Zahlen allein kein Ausschlusskriterium sein sollten. «Diese und weitere Resultate aus dem TRISP-Register helfen, die Entscheidungsgrundlagen in der Akutsituation zu verbessern», sagt Gensicke. Er ist überzeugt, dass dank dieser Resultate künftig mehr Hirnschlagpatienten rascher eine Thrombolyse erhalten. Dadurch werden mehr Patienten überleben und seltener an schweren Folgeschäden leiden.


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Einblicke in die Schweizer Herz-Kreislauf-Forschung in der Schweiz. Ausgabe 2015

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